Meine flexible vegane Ernährung

Puh. Noch bevor ich überhaupt angefangen habe, diesen Post zu verfassen, weiß ich, dass es ein langer werden wird 😉 Aber gleich vorweg: Keine Sorge, ich werde nicht versuchen, irgendjemanden zu „bekehren“. Dazu bin ich selbst auch viel zu neu in diesem Thema und ich bin wie ihr lesen werdet kein „Ultra“ ;). In diesem Post will ich nur die Story erzählen, wie ich ernährungstechnisch dazu gekommen bin, wo ich jetzt bin.

Obst

Ich glaube es ist schon ca. 3 Jahre her, dass ich via YouTube auf den Film „Earthlings“ gestoßen bin. Damals haben mein Freund ich angefangen den Film zu schauen, allerdings brachen wir nach kurzer Zeit ab, denn wie das wohl bei so vielen ist: “…ich kann mir das nicht anschauen“. Das Leid der Tiere und wie es im wahren Leben in Schlachthäusern etc so abläuft, wollten wir einfach nicht sehen. Bestimmt habe ich an diesem Tag  auch kein Fleisch mehr gegessen, weil ich es mit diesen Bildern im Kopf ekelhaft fand. Am nächsten Tag war das wieder vergessen.

In Zeiten von YouTube, Instagram etc  – Medien, die ich jeden Tag nutze – verbreiten sich jedoch all die Trends, die gerade so aufkommen ziemlich schnell. Ob Fitness oder „super food“ – man kommt einfach nicht vorbei an den Videovorschlägen, die YouTube einem anbietet. Irgendwann war dann ein Video über Veganismus dabei und ich habe aus Interesse drauf geklickt. Das Thema hat mich gleich fasziniert und ich habe mir tagelang nichts anderes mehr angesehen und mich über jegliche Themen dahingehend informiert.  Ich habe mir in kurzer Zeit relativ viel Wissen über Veganismus angeeignet. Und dann stand ich da: ich konnte all das, was diese schlauen Menschen auf YouTube erzählt haben, total nachvollziehen und fand es plötzlich nur noch schlimm, dass wir alle ohne überhaupt darüber nachzudenken Tag für Tag so viel Fleisch und Tierprodukte konsumieren. Kaum einer scheint darüber auch nur einen Gedanken zu verschwenden, ob das eigentlich so richtig ist. Und warum ist das so? „Weils halt schon immer so war!“ Und weils unsere Kultur ist. Ich als Soziologin weiß,  in welchen Ausmaßen uns unsere Kultur prägt. Man bekam schon als Kind Fleisch vorgesetzt, also hat man gelernt, dass sich das halt so gehört. Jetzt hatte ich mich also informiert und vom Gewissen gegenüber den Tieren her und im Sinne unseres Planeten (haha, wie dramatisch 😉 ) war mir sofort klar, dass ich aufhören muss tierische Produkte zu konsumieren. Doch leider gibt’s halt da noch diese andere Seite: ich bin so sehr drin in unserer Kultur, ich habe es so sehr verinnerlicht Fleisch zu essen und verdammt, es schmeckt so gut!!  Kurz nach meinem Informations-Trip habe ich angekündigt, dass ich von nun an vegan leben will, denn das schien mir das einzig „richtige“ zu sein. Doch um ganz ehrlich zu sein: es ist so viel schwerer, als ich mir das am Anfang gedacht hatte. Nicht, weil es keine Alternativen gibt – die gibt es zuhauf (und auch sehr sehr viel Leckeres!!) – aber es ist verflucht noch mal der Alltag und unsere Gesellschaft, die einem das so erschwert.

Z.B.  war ich vor Kurzem mit meinen Schwiegereltern bei uns in der Gegend in einem bayrischen Wirtshaus. Zur Auswahl gab es: Fleisch, Fleisch und Fleisch. Es gab nicht einmal etwas Vegetarisches! Und wieder: Das ist bei uns halt so! Gut, wenn man in einer Großstadt oder generell etwas größeren Stadt lebt, dürfte es dahingehend weniger Probleme geben, aber bei uns… Und dann gibt es da halt noch mein Umfeld. Ich kenne keinen, der sich auch „nur“ vegetarisch ernährt, allesamt sind sie absolute Fleischliebhaber (und wer kann es ihnen verübeln?!).

Erstaunlicherweise fanden meine Freunde meine Entscheidung vegan zu leben ganz in Ordnung. Dh sie verstanden es nicht und meinten „öhm ok, wenn du meinst“ 😉 – aber sie wollten mich nicht davon abbringen oder haben mich beschimpft – wie es durchaus hier bei uns hätte laufen können ^^. Sie verstehen es nicht, aber lassen mich mein Ding machen und die meisten finden es sogar gut, wenn ich das so durchziehe.

Aber da wären wir beim Problem angelangt: Ich ziehe es nicht durch. Bis jetzt habe ich es noch nicht geschafft, mich eine komplette Woche zu 100 % vegan zu ernähren. An irgend einem Tag in der Woche war immer irgendwo irgendetwas nicht-veganes in meinem Essen zu finden. Aber dazu zähle ich jetzt z.B. Produkte, die „Spuren von Milch“ etc. enthalten „können“.  Dh ich habe nicht unbedingt Fleisch, Käse oder Sahne konsumiert, aber ganzheitlich vegan war es wohl nicht. Jetzt mag es bestimmt sehr viele geben, die mich eine Heuchlerin nennen werden. Und ja, ich muss zugeben, dass ich einfach NOCH nicht soweit bin, den veganen Lebensstil 100%ig durchzuziehen. Denn es ist – für MICH – wirklich, wirklich nicht einfach. Noch dazu besitze ich z.B. einige Lederschuhe und unsere  Esstischstühle sind auch aus Leder. Und ich werde diese Dinge nicht einfach wegschmeissen.

Was man bedenken muss: viele Lebensmittel sind eben nicht rein vegan, weil sie „Spuren von …“ enthalten können. Auf diese Lebensmittel – und das kann ich mit Sicherheit sagen – werde ich nicht ganzheitlich verzichten. Was ich allerdings sagen kann, ist, dass ich kaum, bis gar kein Fleisch mehr essen möchte, genauso wenig wie Milch, Käse etc konsumieren möchte. Ich habe vor, 90 % meiner Ernährung vegan zu halten, aber 100 % werdens wohl (noch) nicht werden. Nach wie vor finde ich den Geschmack von Fleisch hervorragend (leider, leider) und schließe nicht aus, auch mal zu besonderen Anlässen Fleisch zu essen. Denn ich bin leider auch Opfer unserer Kultur und sagen wir’s einfach wies ist: nicht bereit dazu, es komplett zu lassen. Ich habe größten Respekt vor all denjenigen, die es schaffen.

Ein Freund meinte vor Kurzem zu mir, als ich sagte, dass ich mich wie eine Heuchlerin fühlen würde, wenn ich mal tierische Produkte konsumiere, dass er meine Einstellung total toll findet und mit Sicherheit sei ich keine Heuchlerin, denn wenn ich sechs Tage die Woche etwas für die Tiere und unsere Umwelt tue, schon so viel mehr mache als die meisten. Und da muss ich ihm halt Recht geben. Ich rette vielleicht nicht alle Tiere (und selbst wenn ich 100% vegan leben würde, wär das ja auch nicht der Fall), aber wenigstens rette ich viel mehr als die meisten. Und das ist ja schon mal was würde ich sagen 🙂 Am Ende des Tages allerdings zählt schließlich, wie es MIR geht und was habe ich davon, alle Tiere der Welt zu retten, aber ich selbst gehe abends unzufrieden ins Bett…von daher:

Hallo nochmal, ich bin die Sanny und ich bin flexible Veganerin 🙂

Zum Abschluss dieses Posts würde ich euch dennoch – wie es schließlich all diese Veganer tun 😉 – ans Herz legen, euch einfach mal zu informieren. Und vielleicht kommt es dann auch für euch in Frage eure Ernährung ein ganz kleines bisschen zu ändern.

Hier habe ich euch mal den Film „Earthlings“ verlinkt.

Und Hier könnt ihr euch eine Rede meines Lieblings-Aktivisten Gary Yourofsky anhören.

Wenn ihr Interesse habt, werde ich mich zukünftig um ein paar tolle vegane Rezepte bemühen und hier posten, damit auch ihr Lust auf veganes Essen bekommt und ich euch ein paar leckere Alternativen zu Tierprodukten zeigen kann 🙂

In diesem Sinne,

machts gut meine Lieben und vielen Dank fürs Lesen.

Eure

You may also like

2 comments

  1. Ich habe ein Jahr vegan gelebt und fühle mich mit meiner „halb-veganen“ Lebensweise jetzt viel wohler, weil ich eben auch mal vegetarisch essen kann. Ich nehme es mit den Begrifflichkeiten allerdings auch ganz genau und würde mich nicht als Veganerin bezeichnen, nicht mal als flexible.

    „Kann Spuren von XY enthalten“ ist übrigens nur ein Hinweis, dass in der gleichen Produktionsstätte auch nicht-vegane Produkte produziert werden. Sie sind trotzdem vegan. 🙂

    1. Hallo Jenny,
      danke für deinen Kommentar 🙂
      Ich hab mir schon gedacht, dass der Ausdruck „flexible Veganerin“ auf Kritik stoßen wird 😉 Als „Flexitarier“ wollte ich mich allerdings nicht bezeichnen, da der/die Flexitarier per Definition ja ihren Fleischkonsum (sehr) einschränken, aber ansonsten vegetarisch, nicht vegan, leben. Das Ding ist halt, dass sich meine Ernährung total von dem unterscheidet, wie sich meine Umwelt ernährt…da ich fast ausschließlich vegan esse, aber nicht ausschließe mal wieder Fleisch/Milchprodukte etc zu essen, habe ich diesen Begriff einfach so für mich gewählt…Aber ich finde, eigentlich ist die Bezeichnung relativ egal, so lange jeder weiß, wie er/sie das praktizieren möchte…

      Zu „Spuren von…“: Dessen war ich mir bewusst, aber viele sind dann eben der Meinung, dass das Produkt nicht mehr als vegan bezeichnet werden kann…aber wie grad bemerkt, Bezeichnungen sind immer so ne Sache 😉

      Ich finds super, dass du dich mit deiner „halb-veganen“ Lebensweise wohl fühlst – das ist doch einfach die Hauptsache!

      Liebe Grüße
      Sanny

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.