Sind wir Menschen zum Fleischessen gemacht?

Wie viele von euch ja vermutlich wissen, ernähre ich mich seit geraumer Zeit fast ausschließlich vegan. Normalerweise fällt es mir auch überhaupt nicht schwer so zu essen, da die vegane Ernährungsweise echt unfassbar lecker und leicht ist, doch ab und zu kommt es tatsächlich immer noch vor, dass ich Gelüste nach Fleisch verspüre und diesen Gelüsten dann auch von Zeit zu Zeit nachgebe. In den letzten paar Tagen habe ich mich allerdings wieder intensiver mit dem ganzen Thema beschäftigt und habe mich wieder einmal gefragt, warum ich manchmal immer noch dieses Verlangen nach Fleisch habe, obwohl ich doch eigentlich komplett hinter dem Veganismus und dessen Prinzipien stehe.

Ich verabscheue, was hinter geschlossenen Türen in der Fleisch – und Milchindustrie geschieht, was uns alles vorgelogen wird, was mit der Umwelt und natürlich vor allem mit den Tieren, für die ich doch so ein großes Herz habe, passiert. Und trotzdem lege ich alle paar Monate einen „Cheatday“ ein, bei dem ich dann auch tatsächlich alles esse, nach dem es mich gelüstet. Nun sitze ich aber hier und denke mir, dass es das doch einfach nicht sein kann! Warum läuft mir immer noch das Wasser im Munde zusammen, wenn ich ein Steak sehe? Obwohl ich doch weiß, dass es so falsch ist?

Viele Fleischesser bringen ja immer das Argument, dass wir Menschen einfach „dazu gemacht“ sind, Fleisch zu konsumieren. Dass das in unserer Natur liegt und es eben gegen diese ist, sich ausschließlich von Pflanzen zu ernähren. Da ich mir meine immer noch vorhandenen Fleischgelüste nicht wirklich erklären kann, habe ich mich gefragt, ob die weitverbreitete Theorie, dass wir Menschen Omnivore (also Allesfresser) sind, doch stimmt, oder ob wir eigentlich Herbivore (Pflanzenesser) sind, die einfach im Laufe der Zeit angefangen haben, sich zu Omnivore zu entwickeln.

Sind Menschen Pflanzenfresser, Fleischfresser oder Allesfresser?

Es gilt die Biologie und das Verhalten von Mensch und Tier zu betrachten. (Die meisten) Menschen ernähren sich sowohl von tierischen als auch pflanzlichen Nahrungsmitteln, dh. also Menschen sind Omnivore? Bei meiner Recherche bin ich auf diese Seite gestoßen, die einen wunderbaren Überblick über das Thema erlaubt und meiner Meinung nach recht verständlich darstellt. Gleich mal vorne weg: Vermutlich zum Erstaunen der Meisten wird deutlich gemacht, dass wir Menschen charakteristisch entgegen der allgemeinen Meinung definitiv Herbivore/Pflanzenesser sind.  Ich habe die wichtigsten Punkte einmal für euch zusammengefasst:

  • Die Körperglieder von Fleischfressern sind Krallen; diejenigen von Pflanzenfressern sind Hände oder Hufe
  • Die Zähne von Fleischfressern sind scharf; die von Pflanzenfressern sind hauptsächlich flach (zum Schleifen)
  • Der Darmtrakt von Fleischfressern ist kurz (3-fache Körperlänge); das der Pflanzenfresser, lang (12 mal Körperlänge)
  • Die Körperkühlung von Fleischfressern erfolgt durch Keuchen; bei den Pflanzenfressern durch Schwitzen
  • Fleischfresser trinken Flüssigkeiten durch Läppen; Pflanzenfresser durch Schlürfen
  • Fleischfresser produzieren ihr eigenes Vitamin C, während Pflanzenfresser es aus ihrer Nahrung erhalten

Wir Menschen haben im Gegensatz zu Fleischfressern:

  • eine relativ geringe Öffnung der Mundhöhle im Vergleich zur Kopfgröße
  • ein Kiefergelenk, welches über der Zahnhöhe angeordnet ist und einen erweiterten Winkel hat
  • einen Unterkiefer, der mehr zur Seitwärtsbewegung und dem komplexeren Kauen von pflanzlichen Lebensmitteln ausgerichtet ist
  • ein weniger stabiles Kiefergelenk, welches leicht verrenkt werden kann, wenn wir tatsächlich versuchen würden, ein Tier zu erbeuten
  • Speichel, der Verdauungsenzyme enthält
  • die Eigenschaft, Nahrung zu kauen, um Pflanzenzellwände für eine bessere Verdauung zu zerstören und mit Speichel zu mischen (kein großteiliges Verschlucken der Nahrung)
  • abgeflachte, stumpfe, kleine, wie ein Spaten geformte Eckzähne (Fleischfresser: dolchartig und länglich, um Beute zu töten)
  • abgeflachte Backenzähne zum Zermahlen und Zerkleinern (Fleischfresser: scharf, gezackt, wie eine Klinge geformt)
  • ein Magenvolumen, welches etwa 25 % unseres Magen-Darm-Trakts beträgt (Fleischfresser: ca. 60-70%)
  • einen pH-Wert im Magen, der ca. 4 bis 5 beträgt; Fleischfresser: in der Regel 1 oder weniger (vorteilhaft, um Bakterien in zerfallendem Fleisch abzutöten)

Laut diesen Experten sind wir Menschen also definitiv – zumindest anatomisch gesehenPflanzenfresser. Warum dann also bin ich wie so viele damit aufgewachsen, Fleisch und Milchprodukte zu essen und warum vermisse ich es immer noch ab und zu? An unserem biologischen Bau kann es ja anscheinend nicht liegen. Als Soziologie-Absolventin ist mir natürlich klar, dass da die liebe Gesellschaft und ihre Entwicklung, die Machtinstitutionen und die Politik schön ihre Finger im Spiel haben.

Dazu verlinke ich euch hier ein Video, welches genau das erklärt:

Fazit:

Ich ernähre mich jetzt schon seit Längerem hauptsächlich vegan und habe das in aller erster Linie den Tieren zu Liebe so gehandhabt. Mir waren die meisten Punkte bezüglich des „Fleischfresser – Pflanzenfresser – Dilemmas“ natürlich trotzdem bekannt, mit welchen ich allerdings kaum argumentiert habe, einfach weil die Tiere mein Hauptgrund sind. Wenn mich jemand gefragt hat „warum vegan?“ war meine Antwort eben immer: „wegen den Tieren“ und nicht „weil wir anatomisch so gemacht sind“. Und das wird auch immer mein Hauptgrund bleiben. Allerdings finde ich es schon ziemlich faszinierend, dass wir anscheinend tatsächlich eigentlich Pflanzenfresser sind und erst im Laufe der Zeit und der Entwicklung der Menschheit überwiegend zu Omnivoren geworden sind. Mir ist klar, dass es sehr viele Menschen gibt, die das Ganze komplett anders sehen und Argumente gegen die Pflanzenfresser-Theorie bringen werden. Ich möchte hier nur meine Meinung kundtun und auch jeden Einzelnen glauben lassen, was er/sie möchte. Für mich steht allerdings fest, dass wir Menschen eigentlich keine Fleischfresser sind und definitiv ohne auskommen können. Ob wir denn möchten und die Disziplin dazu haben, ist natürlich eine andere Frage. Es mag ihre Gründe haben, warum wir heute das essen was wir essen, das heißt aber nicht, dass wir es nicht wieder ändern können. Was meinen persönlichen Fall betrifft, werde ich ab nächstem Jahr versuchen 100% vegan zu leben. Eben auch ich wurde dazu konditioniert Fleisch zu essen und mir fällt es halt einfach manchmal immer noch schwer los zu lassen. Aber ich werde mich an den Gedanken gewöhnen für immer fleischlos zu leben. Es macht einfach Sinn, ist gut für die Tiere, die Umwelt und mich und Leute: wir sind dazu gemacht ;).

Eure Meinung dazu würde mich natürlich sehr interessieren, also lasst euch nicht lumpen und hinterlasst mir einen (netten) Kommentar 🙂

Liebe Grüße aus London

Eure Sanny

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6 comments

  1. Huhu,

    ich persönlich esse Fleisch, aber ich finde die Umstände der Haltung etc. wirklich heftig. Ich versuche auch öfters fleischfreie Wurst zu kaufen, dass lustige ist: Es schmeckt nach „echter“ Wurst.

    Auf Milch etc. könnte ich denke ich nicht komplett verzichten, denn ich liebe Käse… Über Nilchkuhhaltung etc. hatte ich mir bisher noch keine großen Gedanken gemacht.. bisher!

    Lg

    Steffi

    1. Liebe Steffi!

      Ich find’s toll, dass du versuchst weniger Fleisch zu essen und fleischfreie Wurst ne Chance gibst. Umso besser natürlich, wenn’s dann auch schmeckt!

      Auf Milch kann ich total gut verzichten und finde den Gedanken an Kuhmilch mittlerweile richtig ekelhaft. Ich habe dazu schon mal einen Post geschrieben, falls du meine Gedanken dazu nachlesen möchtest 🙂

      http://applethree.de/2016/10/17/got-milk-warum-man-aufhoeren-sollte-kuh-milch-zu-trinken/

      Liebe Grüße

  2. Ich habe sogar schon versucht vegetarisch zu essen, doch nach zwei Wochen war alles wie vorher. Ich esse nicht viel Fleisch, noch nie und bin mir auch über die Tierhaltung bewusst, dennoch kommt eine rein vegane Ernährung für mich nicht infrage. Dennoch ernähre ich mich schon bewusst, liebe Obst und Gemüse. Aber ab und an darf es dann doch gerne mal z.B. Bolognese sein.

    Liebste Grüße,
    Sandra.

    1. Heya liebe Namensvetterin 😉

      Schade, dass dir das vegetarische Leben nicht so gefallen hat. Darf ich fragen, warum du nach den zwei Wochen dann wieder angefangen hast Fleisch zu essen? Und was waren deine Beweggründe erst dieses Experiment zu starten?

      Was ich natürlich gut finde, ist, dass du generell nicht so viel Fleisch isst! Wie gesagt möchte ich das für mich wirklich komplett aufgeben und denke ich bin auf dem richtigen Weg dahin 🙂

      Liebe Grüße
      Sanny

  3. Super Beitrag! Ich esse seit nunmehr 5 Jahren überwiegend vegan. Auswärts oft vegetarisch, wobei die veganen Möglichkeiten in den letzten Jahren enorm gestiegen sind! Und einmal im Jahr Zwiebelrostbraten 😉 jefoch von Mal zu Mal geht es mir schlechter nach Fleischkonsum – schlimmer noch bei Milchprodukten. Daher glaube ich fest daran dass Fleisch uns nicht gut tut. Dass es gesunde Organismen nur tolerieren.

    1. Hallo liebe Verena,

      vielen Dank für dein Feedback!

      Finde deine Einstellung zum Thema Essen natürlich toll 🙂 Ungefähr so ist’s bei mir auch, wobei ich wahrscheinlichin den letzten Jahren doch noch öfters „gecheatet“ habe als du – leider! Ich möchte das wirklich ändern und habe mir fest vorgenommen, komplett vegan zu werden. Machst du mit? 😉

      Eben auch wegen dem was du erwähnt hast, man merkt es einfach tatsächlich am Wohlbefinden. Mir geht es auch immer viel besser und ich fühle mich vitaler wenn ich mich über Wochen komplett vegan ernähre. Wo ist also der Punkt Fleisch zu essen, wenns einem danach nicht mal gut geht. Nur wegen dem einen Moment wo’s einem vielleicht so richtig gut schmeckt? Irgendwie ist’s halt echt nicht wert, gä ^^

      Und wie du schon erwähnt hast ist’s in den letzten Jahren schon sooo viel einfacher geworden vegane Optionen im Supermarkt und im Restaurant zu bekommen – so toll!

      Wirkliche Argumente gegen Veganismus gibts jetzt eh nicht mehr, nur noch Ausreden 😉

      Liebe Grüße
      Sanny

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